Kunst und Erziehung:

Antikorruption

Das Projekt

Das Büro für Antikorruption der Republik Argentinien hatte den Soziologen Gustavo Gamallo beauftragt, eine Grossuntersuchung über die Sichten junger Menschen zur Korruption durchzuführen. Auf der Basis der Ergebnisse wurde Silvio Gruber (des Unternehmens Foro 21) beauftragt, ein pädagogisches Instrument für den Einsatz an Mittelschulen zu entwickeln. Carmen Olaechea und Georg Engeli wurden zugezogen, um dabei ein Unterrichtsmittel für Dozenten und Lehrer zu gestalten. Dieses Lehrmittel wird gemeinsam mit einem Video eingesetzt, das Javier Zaín und Clara Beverini produziert haben. Zielpublikum beider Module sind Mittelschüler im Alter ab 16 Jahren.

Das Unterrichtsmittel

Das Unterrichtsmittel ist kein Manual. Es redet nicht von gemeinsamen und gemeinschaftlichen Werten oder idealen Verhaltensmustern in der Gesellschaft. Es konzentriert sich vielmehr auf pragmatische Weise auf einen Wesenszug, der tief verwurzelter Teil einer gesamtgesellschaftlichen "Kultur der Transgression" darstellt: Die Kluft zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir trotz unseres Wissens tun. Junge Menschen (nicht anders als die Erwachsenen auch) wissen nämlich zuverlässig und genau Bescheid über die Gesetze und Regeln und kennen die Grundwerte des sozialen Zusammenlebens... aber wenn die Stunde der Entscheidung und des Handelns schlägt, dann sehen sie dieses – ihr eigenes – Wissen als etwas Unverbindliches und Optatives an: sich an die bekannten und auch verstandenen Normen zu halten, das ist bloß eine Möglichkeit unter anderen.

Die Debatten

Um die Kluft nicht zu umschiffen, sondern im Gegenteil tiefer in sie einzudringen, haben wir eine Serie von Debatten entwickelt. Sie drehen sich um dieses Auseinanderfallen von Wissen und Handlungsorientierung. Die Debatten enthalten nicht ein einziges vorfabriziertes, "korrektes" Argument. Die Idee ist vielmehr, die jungen Menschen und die Dozenten und Lehrer dazu zu motivieren, abweichende und auch gegensätzliche Positionen zu verstehen, die wir alle selber jeden Tag für oder gegen die Verbindlichkeit von Normen einnehmen. Lehrer und Schüler sollen sich der tieferen Logik und so auch der Anfälligkeiten der verschiedenen Haltungen und Argumente gewahr werden. Sie sollen sich der Kluft selbst zwischen Wissen und Tun bewusst werden und fähig sein, von außen einen Blick auf die vielen Begründungen werfen, mit denen wir selber die Kluft umgehen, statt sie zu schließen. Unser Lehrmittel und das Video wurden Hand in Hand als Einheit entwickelt. So zielt also auch der Film auf das Auseinanderklaffen von Wissen und Tun, um es noch deutlicher hervorzuheben, statt es mit noblen Werten zu übertünchen. Darum sind im Film alle Handelnden ein- und dieselbe Person: denn alle Argumente und Stimmen, die wir im Alltag hören, sind ja nicht einfach nur die "der andern", sondern im Kern immer auch unsere eigenen.